„Die kleinen aber pikanten Schocks im Alltag kommen immer dann, wenn man nicht mit ihnen rechnet. Ein weiterer Erfahrungsbericht“:
Am Freitag vor den Herbstferien kommt auf einmal mitten in Chemie unser Schulleiter herein. Er grüßt kurz unsere Lehrerin (noch Referendarin) und sagt dann: „Jonathan*, schnapp deine Sachen und komm mit.“ Jonathan springt auf, man merkt ihm praktisch nichts an. Der Schulleiter geht zu unserer Lehrerin und flüstert – also, ich konnte es schon noch verstehen: „Bitte wundern sie sich nicht, wenn er nicht wieder zurück kommt.“ Zunächst verstand ich, „wenn er nie wieder zurück kommt“, und das scheint nach meinem jetzigen Informationsstand wahrscheinlicher.
Sobald der Schulleiter aus der Tür raus ist, sieht uns unsere Lehrerin mit großen Augen an und meint: „Wisst ihr was er gemacht hat?“ Janines* Kommentar: „Ach, der hat bestimmt wieder irgendwas Illegales runtergeladen…“ „Wieder?!“ Der Rest der Klasse gibt sich verunsichert, erstes Tuscheln kommt auf. Unsere Lehrerin lässt uns anschließend in Stationsarbeit verschiedene Experimente ausführen und schnell macht die Runde, was keiner erwartet hat. Angeblich hat Jonathan* eine Softgun mit in die Schule genommen und damit auf einen Schüler aus der Parallelklasse gezielt, wenn nicht sogar geschossen. Ich dachte eigentlich immer, dass dieser Schüler sein bester Freund sei. Jedenfalls haben jetzt alle so ihre Bedenken, ob er denn nach den Herbstferien wiederkommt, da er wie gesagt schon mal gegen die Schulordnung verstoßen hat, in dem er „Ballerspiele“ auf einem Schulcomputer installiert hat. In den acht Stunden, die wir an diesem Tag noch hatten, wurde das Thema noch häufig diskutiert, man erzählte was man wusste und hörte Neues. Ein gefundenes Fressen und eine ziemlich schockierende Abwechslung im Schulalltag, so kurz vor den Ferien.
Und jetzt heißt es noch eine Woche warten, bis man mehr weiß… Und natürlich Bioolympiaden lösen.
*Namen geändert